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February 15 2017

Archimedes
02:52
Archimedes
02:46

Update after crash ;)

Dear Soup friends,

We had a big database crash, and the backups we had were corrupted.
The only working backup was from 2015.
We are working hard on getting some data out of the crashed database.

Please be patient!
Your Soup.io Team



Hallo Soup Freunde!

Wir hatten einen großen Datenbanken crash, und die Backups, die wir hatten waren Korrupt.
Das einzig funktionierende Backup war von 2015.
Wir arbeiten hart daran noch Daten aus der gecrashten Datenbank heraus zu bekommen.

Bitte bleibt geduldig!
Dein Soup.io Team
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June 23 2015

Archimedes
09:04
Sydney Padua: The Thrilling Adventures of Lovelace and Babbage: The (Mostly) True Story of the First Computer. Pantheon, April 2015, 320 pages, ISBN 978-0-307-90827-8.
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May 10 2015

Archimedes
08:28
Haus Bartleby (Hg.) :
Sag alles ab!
Plädoyers für den lebenslangen Generalstreik

Edition Nautilus, ca. 128 Seiten.
ISBN 978-3-89401-824-5
Erscheint Ende August 2015


Ein Plädoyer für die Weltrevolution mit Stil – das Buch über Karriereverweigerung und das Ende der neoliberalen Epoche

»Was könnten wir nicht alles, wenn wir dürften, wie wir wollten – wenn wir einfach alles sausen ließen, die große Verweigerung im Kleinen ausriefen. Dann würden wir spazieren mit Henry David Thoreau, mit Onkel Teddy auf dem Rücken liegend »rien faire comme une bête«, mit dem schönen Albert im offenen Cabriolet ins innere Lourmarin fahren. Und mit Bartleby lakonisch hauchen: »I would prefer not to …«. Gut, Bartleby verstört nicht nur seine Umgebung, sondern auch sich selbst und ist am Ende tot. Aber konsequenter kann man nicht generalstreiken (und dabei auch noch so höflich bleiben)

»Verweigerung ist nur der Anfang!« – 2014 wurde das Haus Bartleby, Zentrum für Karriereverweigerung e.V., als Thinktank gegen frenetisches Wirtschaften und Vollbeschäftigung gegründet. Die vier Gründer und ihr weit verzweigtes Netzwerk betreiben hier aktive Lobbyarbeit für ein neues Verständnis von Arbeit, für Selbstermächtigung und Emanzipation vom kapitalistischen Wachstums- und Karrierefetisch. Sag alles ab! versammelt elegante und egalitäre Plädoyers aus diesem Kosmos von Antonia Baum, Deichkind, Sonja Eismann, Alix Faßmann, David Graeber, Guillaume Paoli, Dirk Lowtzow, Yanis Varoufakis u. v. a.

February 03 2015

Archimedes
11:43
(Süddeutsche Zeitung, 3 Feb 2015, p. 13)

"Ins Bild geschlichen" Band 3, ISBN 978-3-938045-79-4

January 28 2015

Archimedes
00:02
Reinhold Löffler (pictures), Ulrich Kühne (texts): "Unsere Besten - Die Promi-Galerie", Elisabeth Sandmann Verlag, München, March 27, 2015, 192 pages, 16.95 Euro (ISBN 978-3945543054)

January 27 2015

Archimedes
22:08
Claudia Lanfranconi (Ed.): Fliegst du schon oder überlegst du noch. Elisabeth Sandmann Verlag, 2014.(ISBN 978-3938045930)
Tags: readingtip
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December 12 2014

Archimedes
00:36
Zeitgenössische Mutmaßung über den tatsächlichen Antrieb des Besslerschen Perpetuum mobile (1716).

Asche zu Asche
Jeremy Rifkin träumt von einer besseren Welt

(Süddeutsche Zeitung, 2. September 2002, Seite 16)

Die Welt geht zugrunde, soviel ist gewiss, und zwar aus einer ganzen Reihe von Gründen. Beispielsweise durch die Klimakatastrophe, ausgelöst vom Treibhauseffekt der Abgase bei der Verbrennung fossiler Brennstoffe. Oder durch Fundamentalismus und Terrorismus, welche – wen wundert’s? – gerade in der Bevölkerung über den letzten verbliebenen Ölquellen in Saudi-Arabien, Irak und Iran ihre mächtigste Brutstätten haben. Aber noch vor allem übrigen müssen wir aus dem offensichtlichen Grund mit dem baldigen Ende unserer Zivilisation – so wie wir sie kennen – rechnen, dass uns schlicht die Ressourcen ausgehen.

Sämtliche bekannten Öl- und Gaslager reichen bei gleichbleibender Förderleistung nur noch ein paar Jahrzehnte. Dann ist Schluss. Alle übrigen apokalyptischen Szenarien der Menschheit sind mit dem einen oder anderen Vielleicht behaftet – ob Klimakatastrophe, Asteroideneinschlag, Seuchen oder al-Qaida –, aber dass die Energiequellen, die gegenwärtig fast ausschließlich den Energiebedarf der Industrienationen befriedigen, endlich und sehr begrenzt sind, daran gibt es keinen Zweifel. Dann gehen die Lichter aus, Wohnungen werden kalt, die Autos bleiben stehen, das Internet wird abgeschaltet. Die Zivilisation fällt zurück ins Mittelalter. Wenn keine Alternative gefunden wird.

Erfreulich, dass sich nun Jeremy Rifkin, einer der profiliertesten unter den amerikanischen Intellektuellen und Feuilletonisten, in seinem neuesten Buch gerade dieses Zukunftsproblems annimmt. Pünktlich zum Weltumweltgipfel in Johannesburg erscheint sein Beitrag. Zuletzt war die Endlichkeit der Ressourcen während der Ölkrisen der siebziger Jahre ein zentrales öffentliches Thema. Damals galten Atomkraft und die Forschung an Fusionsreaktoren als Silberstreif am Horizont – an den kostenlosen Strom für alle und in jeder Menge, gewonnen aus dem Wasserstoff der Weltmeere, durfte man als wissenschaftlich fundierte Zukunftsvision glauben. Zwischenzeitlich wurden viele Kernkraftwerke stillgelegt und viel Öl verbrannt, aber eine realistische Alternative zum fossilen Brennstoff wurde nicht gefunden. Noch bevor die „freiwilligen Vereinbarungen“ zur Reduktion der klimaschädlichen CO2-Emission ein nennenswertes Niveau erreichen werden, könnte uns schlicht der fossile Nachschub ausgehen, um noch weiter Kohlendioxidabgase in die Atmosphäre pusten zu können.

Jeremy Rifkin hat nicht nur eine rhetorisch scharfe Anklageschrift gegen die Verantwortungslosigkeit der heutigen Energiewirtschaft geschrieben, er präsentiert auch einen Alternativvorschlag. Die Lösung liegt für ihn in der Energie des Wasserstoffs. Nicht in seiner Energie bei der Kernfusion zu Helium, sondern bei der gewöhnlichen chemischen Verbrennung zu Wasser. Rifkin stellt sich eine Welt von vielen dezentralen Brennstoffzellen vor, die Wasserstoff zu Wasser verbrennen und ein demokratisches Energienetz bilden. „Wasserstoff ist das leichteste und einfachste Element im Universum. Es existiert überall und produziert keine schädlichen Kohlendioxidemission. Die ersten Brennstoffzellen auf Wasserstoffbasis werden bereits in Wohnhäusern und Büros eingesetzt. Wasserstoffbetriebene Autos, Busse und Lastwagen sind in einigen Jahren serienreif.“

Hier staunt der Laie: Überall auf der Erde findet sich zwar Wasser, also die „Asche“ der Verbrennung von Wasserstoff, aber freier Wasserstoff nirgendwo. Also woher den Treibstoff für Rifkins Brennstoffzellen nehmen? Genau: Aus dem Wasser, durch chemische Trennung. Und hier wird es wunderlich. Könnte es sein – dieses beklemmende Gefühl schleicht sich beim Lesen ein und wächst im Laufe des Buchs zu einem handfesten Erschrecken – dass Rifkin noch nie etwas von Thermodynamik und Energieerhaltung gehört hat?

Im ganzen Buch geht es holterdipolter durch die Naturwissenschaften. Energie und Leistung werden regelmäßig verwechselt, Volumen und Fläche, Geschwindigkeit und Entfernung – dies alles ist wesentlich schlimmer als ein Orthografie- oder Grammatikfehler je sein kann, aber warum achtet der Lektor nicht darauf? Oder auf offensichtliche Selbstwidersprüche: Da wird mitgeteilt, dass sich Brennstoffzellen vor allem dort rechnen, wo ein Stromkunde so abseits wohnt, dass das Stromkabel zum zentralen Kraftwerk hohe Kapitalkosten verursacht. Im nächsten Absatz wird die Vernetzung all dieser Brennstoffzellen vorausgesetzt – offenbar mit Stromkabeln.

Offensichtlich muss Wasserstoff, bevor er in Brennstoffzellen verbrannt werden kann, aus Wasser gewonnen werden. Dafür kann man Erdgas oder elektrischen Strom nehmen; aber offensichtlich ist die verwertbare Energiemenge im Wasserstoff kleiner als die, die vorher im Erdgas oder im Strom war, weil keine Energieumwandlung mit hundertprozentigem Wirkungsgrad funktioniert. Es entsteht also die Frage, warum man die Energiekrise nicht gleich mit Erdgas oder Strom beseitigt, ohne den Umweg über den Wasserstoff. Strom findet sich schließlich überall in den Steckdosen.

Das Thema ist zu ernst für Witze. Die Welt geht zugrunde und die einzigen, die ihre Stimme erheben, sind medienheischende Ignoranten. ULRICH KÜHNE

JEREMY RIFKIN: Die H2-Revolution. Wenn es kein Öl mehr gibt. Mit neuer Energie für eine gerechte Weltwirtschaft. Deutsch von Brigitte Kleidt. Campus Verlag, Frankfurt am Main 2002. 304 Seiten, 25,50 Euro.

November 30 2014

Archimedes
00:31
(Süddeutsche Zeitung Nr. 162, Seite 14, Donnerstag, 17. Juli 2003.)

Michael Sowa: Bilder aus zwei Jahrhunderten
Mit einem Vorwort von Robert Gernhardt.

128 Seiten, Kein & Aber Verlag, 2003.
ISBN: 3036952136.

November 21 2014

Archimedes
02:07

Nieder mit der Empirie!
Wenn die Natur der Theorie in die Quere kommt: Warum Bohrs Phänomene und Einsteins Universum philosophisch lästig sind.

Wenn man einen Schuldigen dafür sucht, daß die moderne Physik nicht mehr allgemeinverständlich ist, kommt man schnell auf Albert Einstein als Haupttatverdächtigen. Seine Relativitätstheorien gelten als schwerwiegendes Beweismaterial: im Volksempfinden werden sie als Inbegriff esoterischer Genialität gehandelt. Jemand mit einer simpleren Erklärung des Universums muß erst mal Einstein widerlegen.

Für diese Aufgabe beruft sich der Rechtsanwalt für Zivilsachen beim Bundesgerichtshof, Christoph von Mettenheim, auf die Autorität von Sir Karl Popper. Gemäß Poppers Wissenschaftstheorie soll man neue Theorien in völlig freier Spekulation ersinnen, und bis zum sicheren Beweis des Gegenteils müßten alle widerlegbaren Vermutungen über das Universum ernst genommen werden. Hingegen seien mathematische Spielereien wie die Relativitätstheorien generell nicht als Erklärungen der Natur geeignet, denn die Mathematik habe nach Poppers Prinzip des "methodischen Nominalismus" nur die Funktion einer Kurzschrift für physikalische Sachverhalte, die nichts Neues über die Welt, die mit ihr beschrieben wird, offenbaren kann. Sicherheitshalber führt von Mettenheim allerdings zusätzlich zu diesem Argument auch noch einige bekannte empirische Befunde an, die er im Gegensatz zur Lehrbuchmeinung als experimentelle Widerlegung von Einstein deutet.

Durch den renommierten Verlag, das edle Papier und den schönen Schriftsatz hebt sich von Mettenheims Buch angenehm ab von den üblichen Widerlegungen der Relativitätstheorie, den Beweisen für die Dreiteilung von Winkeln und Quadratur von Kreisen oder den Bauplänen für Perpetua mobilia, mit denen interessierte Laien regelmäßig die universitären Wissenschaftsphilosophen konfrontieren und in der Öffentlichkeit werben. Auch lockert der Autor seine vernichtende Kritik mit dem jovialen Eingeständnis seiner eigenen Unkenntnis der modernen Physik und Mathematik auf, und hier und da streut er schmeichelnde Seitenbemerkungen in Richtung Einsteins ein. In den guten Umgangsformen von Mettenheims kann man einen Fortschritt sehen gegenüber einer Zeit, als seine juristischen Kollegen von der Inquisition über naturwissenschaftliche Theorien zu Gericht saßen.

Interessant wird es, wenn man das Werk als einen Quellenband für das liest, was der gesunde, von wissenschaftstheoretischen Debatten unverdorbene Menschenverstand für eine befriedigende Naturerklärung hält. Das Buch wird so zu einer Reise in die Wissenschaftsgeschichte. Anfangs sieht es so aus, als hätte sich von Mettenheim von Überlegungen inspirieren lassen, die Lorentz und Poincaré kurz vor der Entdeckung der speziellen Relativitätstheorie veröffentlichten. Mit dem Aufruf "Zurück zur Ätherhypothese" (Kap. 6) möchte er jedoch offenbar nicht bloß zurück zur Äthertheorie eines Fresnel vom Anfang des letzten Jahrhunderts, sondern zu etwas, das frappierende Ähnlichkeit mit der Wirbeltheorie hat, die Descartes in "Le Monde" (posthum 1664) entwickelte. Seine "Kosmologischen Spekulationen über den Ursprung der Materie" (Kap. 9) führen schließlich unversehens in die germanische Schöpfungsmythologie.

Die moderne Physik ist dem gesunden Menschenverstand außerordentlich abträglich. Da mag es trösten, daß auch Einstein, obwohl er sich sehr darum bemühte, gescheitert ist, beide in Einklang zu bringen. Weit mehr als die spezielle und allgemeine Relativitätstheorie (die aus Sicht der aktuellen universitären Wissenschaftstheorie wenig Anstößiges enthalten - von Mettenheim hätte hier auf eine breite Literatur mit weitgehend unkontroversen Antworten auf seine Fragen zurückgreifen können) bereitet die Quantenmechanik ernste philosophische Probleme. Obwohl Einstein auch an der Entstehung dieser Theorie über das Verhalten der elementaren Teile der Natur maßgeblich beteiligt war, riskierte er später sogar, sich zeitweise dem Verdacht von Altersschrulligkeit auszusetzen, da er vehement insistierte, daß die Quantenmechanik trotz ihrer hervorragenden experimentellen Bestätigung fundamentale Mängel hat und nur als eine vorläufige Theorie angesehen werden dürfe.

Schaut alle her, sie streiten schon

Noch während die Quantenmechanik durch Arbeiten von Heisenberg, Schrödinger, von Neumann und anderen Ende der zwanziger und Anfang der dreißiger Jahre in eine geschlossene mathematische Form gebracht wurde, gerieten der dänische Physiker Niels Bohr und Einstein in einen Streit über deren Interpretation - unter lebhafter Anteilnahme der übrigen Physiker der Zeit. Bohr ist der Gründer der "Kopenhagener Schule", die schon frühzeitig versuchte, die Kuriositäten der Quantenmechanik zu ihrem Vorteil auszulegen: Eine wahrhaft fundamentale Theorie dürfe nicht mehr im traditionellen Begriffsrahmen der klassischen Physik formuliert werden. Die Quantenmechanik sei gerade die Lösung von vorher unbedachten philosophischen Problemen der Naturbeschreibung. Wenn man das berücksichtige, was Bohr in vielen Variationen mit dem Begriff der "Komplementarität" zu beschreiben versuchte, würde einem die zuvor kontraintuitiven Qualitäten der Quantenmechanik ganz natürlich erscheinen.

Carsten Held hat den Verlauf der intellektuellen Auseinandersetzung zwischen den beiden Giganten der modernen Physik in seiner Dissertation minutiös nachgezeichnet und dabei auch auf unveröffentlichte Briefe der Kontrahenten zurückgegriffen. Zugleich mit der Darstellung der Debatte ist er auf der Suche nach einer "plausiblen Argumentationslinie, an der entlang sich Perspektiven ergeben, wie die Quantenmechanik verständlich interpretiert werden könnte". Anzeichen für eine solche entdeckt er schließlich auch in Bohrs "Phänomen-Ansatz". Die Philosophie der Quantenmechanik ist bescheiden geworden.

Helds Darstellung der Probleme verliert leider schnell die Übersichtlichkeit. Dafür ist weniger die kleinteilige Zerlegung der Standpunkte verantwortlich, als das vorzeitige und gelegentlich unangemessene Harmoniebedürfnis des Autors im Umgang mit den beiden Kontrahenten und mit seinen Lesern. Harte Argumente werden, noch bevor sie richtig entwickelt sind, mit unzähligen verständnisvollen und vermeintlich verständnisfördernden Begleitsätzen wattiert, so daß man das Problem vor lauter Erläuterungen nicht mehr sieht. Die Annäherung der beiden Positionen, die Held zuletzt bemerkt, reflektiert nur die Tatsache, daß beide gescheitert sind.

Einstein war in der schwierigen Lage, mit Gedankenexperimenten und philosophischen Überlegungen gegen eine Naturtheorie vorgehen zu müssen, an deren empirischen Erfolgen nichts zu rütteln ist. Bohr hätte sich auf den bequemen Standpunkt zurückziehen können, daß der Zwang, sich irgendwie mit den durch die Quantenmechanik beschriebenen Phänomenen anfreunden zu müssen, stärker ist als jede noch so einleuchtende weltanschauliche Behauptung über das Wesen der Realität. Aber Bohr ließ sich auf das Abenteuer ein, eine physikalische Theorie nicht nur an der Natur, sondern auch an ihren philosophischen Konsequenzen zu messen.

Erst nach vielen Jahren gelang es Einstein, seine Intuitionen mit dem EPR-Paradoxon von 1935 so weit zu schärfen, daß er sich gegen Bohrs flexible Rechtfertigungen halbwegs verständlich machen kann. Bohrs frühere Ausführungen über die "Komplementarität" entlarven sich als fadenscheiniges Marketing, den Käufern der Quantenmechanik ein gutes philosophisches Gefühl zu suggerieren. Aber der erfrischend neue philosophische Standpunkt, den Bohr in der Quantenmechanik angepriesen hat, verdirbt einige der Grundannahmen über den Inhalt naturwissenschaftlicher Forschung, auf die seriöse Wissenschafter nur ungern verzichten.

Kopfüber ins Paradoxon

Die Schwäche von Einsteins Argumentation lag in seiner Hoffnung, damit bewiesen zu haben, daß die Quantenmechanik unvollständig ist und demnächst von einer grundsätzlich verschiedenen Atomtheorie abgelöst wird. Die Bohr-Einstein-Debatte hat einen Konflikt zwischen dem philosophisch geläuterten Alltagsverständnis von Realität und der modernen Physik vom Zaun gebrochen, der im Laufe der Zeit nicht aufgelöst, sondern immer schlimmer wurde. Die Kompromißvorschläge werden um so irritierender, je länger die Physiker und Wissenschaftsphilosophen über die Gegensätze nachdenken und immer neue Paradoxien finden.

Noch im Jahr des EPR-Paradoxons veröffentlicht Schrödinger sein "burleskes" Katzen-Paradoxon, das die Messung quantenmechanischer Zustände von einer alltäglichen Laborantentätigkeit in ein tiefsinniges philosophisches Rätsel verwandelt. Durch eine lange Reihe neuerer Gedankenexperimente und mathematischer Beweise von Gleason (1957), Bell (1964), Kochen und Specker (1967) und vielen anderen wissen wir immer genauer, was uns an der Quantenmechanik stört. Sie ist eine essentiell statistische Naturtheorie mit nichtlokalen Wechselwirkungen. Zugleich wissen wir durch immer subtilere Messungen und mittlerweile sogar durch die geglückte technische Realisation einiger Gedankenexperimente in den Labors, daß die empirische Zuverlässigkeit der quantenmechanischen Vorhersagen Einsteins Hoffnung auf ihr baldiges Ende völlig aussichtslos macht.

Die Kuriosität der Natur verdirbt die einfachen Erklärungsversuche. Die Versuche, verständliche und trotzdem angemessene Bücher darüber zu schreiben, werden von diesem Umstand arg in Mitleidenschaft gezogen. ULRICH KÜHNE

Christoph von Mettenheim: "Popper versus Einstein - On the Philosophical Foundations of Physics". Mohr Siebeck, Tübingen 1998. 238 S., geb., Abb., 98,- DM.
Carsten Held: "Die Bohr-Einstein-Debatte - Quantenmechanik und physikalische Wirklichkeit". Schöningh Verlag, Paderborn 1998. 292 S., br., 88,- DM.

(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 08.12.1998, S. 14)

November 11 2014

Archimedes
01:26

The Meaning of Human Existence
by Edward O. Wilson

Liveright Publishing Corporation/ W.W. Norton & Company
208 pages, ISBN: 978-0871401007 (October 2014)


The Independent, Monday 10 November 2014 :

EO Wilson on his new book

No one knows more about ants than E O Wilson.  Which is why his U-turn on long-held beliefs about their biological altruism has met with outrage from academia. The unrepentant Pulitzer prizewinner and naturalist talks to Steve Connor

[...] “Ants are wonderful model organisms for the study of certain phenomena of great interest to humans, namely the basics of the evolution and nature of co-operation, communication and altruism in the formation of complex societies,” Wilson explains.

“But ask me what ants have to say about how we should behave and what they tell us about our own morality. The answer is nothing. Their societies are almost completely female. They eat their injured and they are in almost constant, obliterating war with colonies of the same species. And whereas we send our young men to war, they send their old ladies. There’s not much there to be learnt,” he says.

Despite a lifetime with his nose stuck in the forest undergrowth, Wilson, 85, has a remarkable track record in provoking controversy. When his seminal textbook Sociobiology: The New Synthesis, was published in 1975, he single-handedly defined a new scientific discipline, but it led to a fierce reaction from academic leftists, including a few in his own university department at Harvard who were furious with him for comparing human society to that of insects.

Such was the outrage that Wilson even had a jug of water poured over him at one scientific conference by Marxist activists who denounced him as a quasi-fascist genetic determinist – which was odd given his liberal, Democrat leanings. Four decades later, his ideas on sociobiology and human social origins have been quietly absorbed into the scientific mainstream, forming, for instance, a theoretical basis for evolutionary psychology – the idea that human evolution over many tens of thousands of years may have shaped the way we think and behave today.

After such a stormy career, you might expect Wilson to be taking things a little easier in the late autumn of life. Not so. He has once again poked a stick into the wasps’ nest of academia by publicly denouncing Hamilton’s inclusive fitness and the concept of kin selection.

“It was a mistake and I went along with it to begin with. But it’s finished. It’s over,” Wilson tells me, with a flick of his hand.

To add petrol to the fire, he has embraced “group selection”, a concept thought to have been comprehensively debunked in popular style by the Oxford zoologist Richard Dawkins in his 1976 bestseller The Selfish Gene.

When Wilson co-authored a 2010 scientific paper in Nature magazine with two young Harvard mathematicians rejecting inclusive fitness in favour of group selection, he unleashed a torrent of criticism. About 140 evolutionary biologists wrote to Nature denouncing Wilson’s revisionist thinking and re-affirming the central role played by the selection of genes and individuals rather than the “multilevel” group selection proposed by Wilson.

“What happened was confusion and unhappiness because a lot of people had based their life’s work on this idea of inclusive fitness,” Wilson says. He now believes that the protest was orchestrated by one person, whom he declined to name, rather than being the spontaneous outpouring it first appeared to be.

“We just corrected a mistake made originally by Hamilton and then repeated by a number of people, myself included,” he says.

Wilson argues that multilevel selection – both at the level of individuals and groups – has led to the creation of eusociality in ants and humans. In the simplest terms, individuals who co-operate together in groups achieve more and enhance the survival of their group, while selfish individualism does not, even in terms of Hamilton’s inclusive fitness and kin selection.

“Within groups, selfish individuals beat altruistic individuals but in the selection of other traits of individuals that are interactive with other individuals – social traits – then groups of altruists defeat groups of selfish individuals,” Wilson explains. “In a nutshell, individual selection favours what we call sin and group selection favours virtue.”  But for many evolutionary biologists, this is demonstrably untrue, at least in animals. For the past 40 years or more, biology students have been taught that natural selection works on the level of genes. Richard Dawkins was the first to articulate this approach to a mass audience, arguing that individuals and their bodies are mere vehicles or “gene machines” for carrying genes through one generation to the next.

Two years after the 2010 Nature paper, Dawkins wrote a scathing review in Prospect magazine of Wilson’s support for group selection which Dawkins dismissively labelled “a bland, unfocused ecumenicalism”.

Natural selection without kin selection is like Euclid without Pythagoras, wrote Dawkins. “Wilson is, in effect, striding around with a ruler, measuring triangles to see whether Pythagoras got it right,” he said. “For Wilson not to acknowledge that he speaks for himself against the great majority of his professional colleagues is – it pains me to say this of a lifelong hero – an act of wanton arrogance.”

Although Wilson has much to be arrogant about, few who have met him would accuse him of it. But the criticism must have hurt, and Wilson was evidently still feeling stung by it when writing his latest book, in which he rather waspishly describes Dawkins, a distinguished Fellow of the Royal Society and retired Oxford professor, as an “eloquent science journalist”.

“What else is he? I mean journalism is a high and influential profession. But he’s not a scientist, he’s never done scientific research. My definition of a scientist is that you can complete the following sentence: ‘he or she has shown that…’,” Wilson says.

“I don’t want to go on about this because he and I were friends. There is no debate between us because he’s not in the arena. I’m sorry he’s so upset. He could have distinguished himself by looking at the evidence, that’s what most science journalists do. When a journalist named Dawkins wrote a review in Prospect urging people not to read my book, I thought the last time I heard something like that I think it came from an 18th-century bishop.”

Despite his critics, Wilson is convinced that it was group selection over thousands of years of early evolution, combined with a deep fascination with one another, that led to human altruism. “While similarity of genomes by kinship was an inevitable consequence of group formation, kin selection was not the cause,” he writes in The Meaning of Human Existence.

“The origin of the human condition is best explained by the natural selection for social interaction – the inherited propensities to communicate, recognise, evaluate, bond, co-operate, compete, and from all these the deep warm pleasure of belonging to your own special group,” he says. “Social intelligence enhanced by group selection made Homo sapiens the first fully dominant species in Earth’s history.”
Reposted byatheismwojtekjsciencehdi

October 27 2014

Archimedes
21:39
Malcolm Lowry at Eridanus Bay near Vancouver 1944.

Lost Malcolm Lowry novel published
by Ian Youngs, BBC.

A novel by British-born author Malcolm Lowry is being published 70 years after its manuscript was thought to have been destroyed in a fire. Lowry is best known for his 1947 modernist classic Under the Volcano.

He spent a decade working on In Ballast to the White Sea , but the draft was lost when his shack near Vancouver in Canada burned down in 1944. However, it has transpired that Lowry had given an early copy to his first wife's mother.

The book's belated publication will be marked on Saturday, Oct. 25th 2014, with a special event at the Bluecoat art gallery in Liverpool. The gallery hosts an annual celebration of the author, who was born in nearby Birkenhead.

He did not achieve widespread success in his lifetime, with Under the Volcano only gaining popularity after his death in 1957. In 1998, Under the Volcano was placed at number 11 on the New York Modern Library's list of the best novels of the 20th Century.

Lowry had written In Ballast to the White Sea - an autobiographical story of a Cambridge University student who travels to meet a Norwegian author - before Under the Volcano. Lowry himself went to Cambridge and worked as a coal-shoveller on a ship bound for Norway in the early 1930s. He had given a copy of the manuscript to the mother of his first wife, Jan Gabrial, in New York in 1936.

By the time of the fire eight years later, he had remarried, moved to Canada and had not kept in touch with Gabrial. The author later rued the loss of a potentially great novel, but the New York copy remained unknown until Gabrial's death in 2001.

Announcing the publication, Bluecoat artistic director Bryan Biggs said it had "probably been read by at most a dozen people" since Gabrial's estate was left to New York Public Library. Lowry expert Colin Dilnot, who has worked on the new publication, said the surviving novel was an early draft that Lowry would have continued to work on. "It might have become a masterpiece, like Under the Volcano, if it had been worked over," Mr Dilnot said. "What we can see is the skeleton of a masterpiece." It was the "missing link", he said, between Lowry's first novel, 1933's Ultramarine, and Under the Volcano. In it, the writer explores the conflicting political ideologies of the 1930s, Mr Dilnot says.

"Eventually, in Under the Volcano, he comes out as a writer who is well aware of the dangers of fascism. With In Ballast... it's a young writer looking at all the political creeds. "It's important in the sense of where British writing was in political terms in the 1930s. It's a much more complex novel than some of the other political novels written in the 1930s, so that's what make it extremely important."

(http://www.bbc.co.uk/news/entertainment-arts-29757370)
Reposted byohmygodthebritish ohmygodthebritish
Archimedes
21:22
In Ballast to the White Sea
by Malcolm Lowry

University of Ottawa Press (October 2014)
516 pages, ISBN 978-0776622088


Lowry's longest and most ambitious project of the mid-1930s was the autobiographical novel, In Ballast to the White Sea, about a Cambridge undergraduate who wants to be a novelist but has come to believe that both his book and, in a sense, his life have already been "written" by a Norwegian novelist. Only decades after Lowry's death in 1957 did it become known that his first wife, Jan Gabrial, still had a typescript of the book. In Ballast to the White Sea - which Lowry once imagined would be the Paradiso of his trilogy, with Under the Volcano as the Inferno and Swinging the Maelstrom (or Lunar Caustic) as the Purgatorio - is one of Lowry's most intensely personal works. The introduction places the narrative in relation to Lowry's sense of himself in the mid-1930s and draws parallels with his post-Volcano writings such as Dark as the Grave Wherein My Friend Is Laid, La Mordida, and Through the Panama. The text of the novel, as well as Chris Ackerley's extensive annotations provide crucial evidence about Lowry's life and art during the 14 years between the publication of Ultramarine (1933) and Under the Volcano (1947), the only novels he completed and published during his lifetime.
Reposted by02mydafsoup-01ohmygodthebritish

October 17 2014

Archimedes
19:40
A Universe from Nothing: Why There Is Something Rather than Nothing
by Lawrence M. Krauss
224 pages, Atria Books, 2012
http://www.amazon.com/dp/145162445X/


“WHERE DID THE UNIVERSE COME FROM? WHAT WAS THERE BEFORE IT? WHAT WILL THE FUTURE BRING? AND FINALLY, WHY IS THERE SOMETHING RATHER THAN NOTHING?”

Lawrence Krauss’s provocative answers to these and other timeless questions in a wildly popular lecture now on YouTube have attracted almost a million viewers. The last of these questions in particular has been at the center of religious and philosophical debates about the existence of God, and it’s the supposed counterargument to anyone who questions the need for God. As Krauss argues, scientists have, however, historically focused on other, more pressing issues—such as figuring out how the universe actually functions, which can ultimately help us to improve the quality of our lives.

Now, in a cosmological story that rivets as it enlightens, pioneering theoretical physicist Lawrence Krauss explains the groundbreaking new scientific advances that turn the most basic philosophical questions on their heads. One of the few prominent scientists today to have actively crossed the chasm between science and popular culture, Krauss reveals that modern science is addressing the question of why there is something rather than nothing, with surprising and fascinating results. The staggeringly beautiful experimental observations and mind-bending new theories are all described accessibly in A Universe from Nothing, and they suggest that not only can something arise from nothing, something will always arise from nothing.

With his characteristic wry humor and wonderfully clear explanations, Krauss takes us back to the beginning of the beginning, presenting the most recent evidence for how our universe evolved—and the implications for how it’s going to end. It will provoke, challenge, and delight readers as it looks at the most basic underpinnings of existence in a whole new way. And this knowledge that our universe will be quite different in the future from today has profound implications and directly affects how we live in the present. As Richard Dawkins has described it: This could potentially be the most important scientific book with implications for supernaturalism since Darwin.

A fascinating antidote to outmoded philosophical and religious thinking, A Universe from Nothing is a provocative, game-changing entry into the debate about the existence of God and everything that exists. “Forget Jesus,” Krauss has argued, “the stars died so you could be born.”
Reposted byatheismKabriolettac-z
Archimedes
15:32
God's Planet
by Owen Gingerich
192 pages, Harvard University Press (October 22, 2014)

http://www.amazon.com/dp/0674417100/

With exoplanets being discovered daily, Earth is still the only planet we know of that is home to creatures who seek a coherent explanation for the structure, origins, and fate of the universe, and of humanity’s place within it. Today, science and religion are the two major cultural entities on our planet that share this goal of coherent understanding, though their interpretation of evidence differs dramatically. Many scientists look at the known universe and conclude we are here by chance. The renowned astronomer and historian of science Owen Gingerich looks at the same evidence—along with the fact that the universe is comprehensible to our minds—and sees it as proof for the planning and intentions of a Creator-God. He believes that the idea of a universe without God is an oxymoron, a self-contradiction. God’s Planet exposes the fallacy in thinking that science and religion can be kept apart.

Gingerich frames his argument around three questions: Was Copernicus right, in dethroning Earth from its place at the center of the universe? Was Darwin right, in placing humans securely in an evolving animal kingdom? And was Hoyle right, in identifying physical constants in nature that seem singularly tuned to allow the existence of intelligent life on planet Earth? Using these episodes from the history of science, Gingerich demonstrates that cultural attitudes, including religious or antireligious beliefs, play a significant role in what passes as scientific understanding. The more rigorous science becomes over time, the more clearly God’s handiwork can be comprehended.

God's Universe
by The Same Author
160 pages, Belknap Press, 2006
http://www.amazon.com/dp/0674023706/


We live in a universe with a very long history, a vast cosmos where things are being worked out over unimaginably long ages. Stars and galaxies have formed, and elements come forth from great stellar cauldrons. The necessary elements are present, the environment is fit for life, and slowly life forms have populated the earth. Are the creative forces purposeful, and in fact divine?

Owen Gingerich believes in a universe of intention and purpose. We can at least conjecture that we are part of that purpose and have just enough freedom that conscience and responsibility may be part of the mix. They may even be the reason that pain and suffering are present in the world. The universe might actually be comprehensible.

Taking Johannes Kepler as his guide, Gingerich argues that an individual can be both a creative scientist and a believer in divine design--that indeed the very motivation for scientific research can derive from a desire to trace God's handiwork. The scientist with theistic metaphysics will approach laboratory problems much the same as does his atheistic colleague across the hall. Both are likely to view the astonishing adaptations in nature with a sense of surprise, wonder, and mystery.

In God's Universe Gingerich carves out "a theistic space" from which it is possible to contemplate a universe where God plays an interactive role, unnoticed yet not excluded by science.
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October 04 2014

Archimedes
17:17
Shape without form, shade without colour, paralysed force, gesture without motion; those who have crossed with direct eyes, to death's other Kingdom remember us — if at all — not as lost violent souls, but only as the hollow men, the stuffed men.

Ulrich Raulff: Wiedersehen mit den Siebzigern. Die wilden Jahre des Lesens. Klett-Cotta Verlag, Stuttgart. 170 S., http://www.amazon.de/dp/3608948937/.

September 15 2014

Archimedes
11:16
Book of Curiosities of the Sciences and Marvels for the Eyes (Bodleian Library)

Yossef Rapoport & Emilie Savage-Smith (Eds.): "An Eleventh-Century Egyptian Guide to the Universe" The Book of Curiosities, Edited with an Annotated Translation. 752 pages, Brill 2014. [http://www.brill.com/eleventh-century-egyptian-guide-universe]
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September 09 2014

Archimedes
10:50
Hätte Emilie sich doch eine Arbeit gesucht
Katharina Rutschky macht Theodor Fontane postum glücklich, aber nicht jeden Neandertaler
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29. Juni 1999, S.53

„Was will das Weib?“ Eine drängende Frage, die Sigmund Freud aufwarf, doch nun – so Katharina Rutschky – von dreißig Jahren des modernen Feminismus zu Tode geritten sei. Zu ihrem Bedauern: unbeantwortet. Die Klientel wende sich ab. Frau und Mann gehen ihre privaten Wege durch die Ungerechtigkeiten des Lebens, unbeeindruckt von den gesellschaftlichen Entwürfen, der wissenschaftlichen Kompetenz und solidarischen Hilfe des Feminismus mit seinen mittlerweile in Staat und Bürokratie assimilierten Organen von Frauenministerien, Gleichstellungsbeauftragten, universitären gender studies, öffentlichen Beratungsstellen.

Rhapsodisch plaudert sich Rutschky durch Geschichte und Gegenwart der Frauenbewegung: die Bestandsaufnahme der Errungenschaften nivelliere sich auf Null. Was der öffentlich wirksame Feminismus propagiere, sei jedenfalls nicht im Interesse der Frauen. Die Beratung neige zur totalitären Bevormundung, die feministische Wissenschaft tauge kaum mehr zur Satire, die Beiträge der feministischen Literatur eine Mischung aus Schmonzetten und esoterischem Unsinn, und auch wenn man die Vorteile einer Quotierung gerne einstecke, würde keine Karrierefrau sich dies auf ihre Fahnen schreiben. Selbst für den klugen Umgang mit Männern sei in den lebensfernen Theoriegebilden engagierter Frauen nichts zu holen. Griesgrämige Leute, die aus Angst vor ihrer Freiheit in einen depressiven Fanatismus stürzen; statt ehrlicher Auseinandersetzung nur kindische Provokation.

Abhilfe sei nicht in Sicht, von Männern und Politikern sowieso nicht – für Rutschky allerdings bloß wegen deren Gewohnheit, mit Rücksicht auf Sexualtrieb beziehungsweise die Wähler, Frauen unbesehen alles durchgehen zu lassen. Frau Rutschky hat großen Spaß bei ihrer Abrechnung, das läßt sich nicht bezweifeln. In bissiger Lebensfreude zerreißt sie ihr letztes Gängelband, die feministische Bemutterung, und trampelt querbeet durchs politisch Korrekte.

Das erklärte Anliegen ihres Buchs, die Reform der bestehenden Frauenbewegung, „damit die Sache der Frauen wieder zu ihrem Recht kommt“, kann sich unter der ständigen Bedrohung durch ihre Lust am flapsig-fröhlichen Tiefschlag allerdings nur mühsam entfalten. Schon ihre Wortwahl setzt sie in eine rhetorisch unkluge Ausgangsposition für die sachliche, ergebnisorientierte Überzeugungsarbeit bei den Vertreterinnen sowohl des „hysterisch-pädagogischen“, wie des „kriegerisch-aggressiven“ Flügels der Frauenbewegung. Ihr Beweis, daß Vernunft und berechtigtes Interesse sich nicht mit dem unreifen Mittel der Provokation durchsetzen lassen, gelingt allenfalls indirekt, wobei sie die Pointe im Buch gar nicht erwähnt: Frau Rutschky wird tatsächlich des Hochverrats an ihrem Geschlecht bezichtigt, randalierende Gruppen unterbinden ihre Vorträge in den Universitätsstädten. Die angegriffenen Windmühlen denken nicht an Kapitulation, sondern schlagen mit der vollen Härte ihrer intellektuellen Möglichkeiten zurück – wodurch wohl auch die Realität von Rutschkys Gegnern erwiesen ist und nebenbei die Publicity keinen Schaden nimmt. Berühmt wurde Rutschky, als sie vor ein paar Jahren die „Hysterie um den Kindesmißbrauch“ anprangerte: Form und Inhalt der öffentlichen Diskussion diene weder der Verbrechensbekämpfung noch Prävention, sondern befriedige nur die Urinstinkte ängstlich-prüder Spießbürger. Schon damals setzte sie sich in sichtlichem Vergnügen der öffentlichen Emotion aus – von falschen Freunden, wie von falschen Gegnern.

Neandertaler, Kinderschänder und Männer im allgemeinen wären jedenfalls schlecht beraten, Rutschky zur Vorzeigefrau ihrer Lobby zu machen. Rutschkys Anklage gegen die eigenen Reihen zielt auf Schwäche und Wirkungslosigkeit des Bemühens. Sie bekämpft das jugendliche Vorurteil, der gerechten Sache um so aussichtsreicher zu dienen, je bedingungs- und kritikloser man sich ihr aufopfert. Hier wird bloß die alte Weisheit ausgebeutet, daß sich eigene Interessen am effektivsten subtil durchsetzen lassen, mit einer Portion Klugheit, einem gesunden Gespür für die anthropologischen Gegebenheiten, mit einem Schuß freundlicher Lebensironie. (Bei Auswahl und Dosierung wird Rutschky noch üben.) Außerdem ist eine klare, selbstkritische Vorstellung davon, wo denn wirklich das eigene Ziel liegt, sicherlich von Nutzen. Wenn Rutschkys Einschätzung richtig ist, daß Frauen vielseitige, ganz verschiedene Wesen sind, jedes in seiner ureigenen Individualität (in dieser Hinsicht möglicherweise auch den Männern vergleichbar), sollte die Beobachtung eigentlich nicht wundern, im Feminismus alles Mögliche zu finden, was zusammen und gleichzeitig sicherlich nicht zu realisieren ist.

Die Lichtblicke, in denen Rutschky sich vom Kleinkrieg gegen das Spießertum in allen Facetten emanzipiert und ganz aufs Anthropologische beschränkt, machen das Buch lesenswert. Da spricht eine milde, lebenserfahrene Frau über die Untiefen der conditio humana, illusionslos und doch mit großem Vertrauen ins Entwicklungspotential. Mag auch manchmal die humanistische Versöhnung eines jeden Wegs weiblicher Selbstverwirklichung Kapriolen schlagen: Ja, was ist ein zuviel geleisteter Abwasch im Augenblick unseres Todes?

En passant löst Rutschky die Eheprobleme der Fontanes (Frau sollte arbeiten gehen – das macht beide glücklicher, beseitigt Geldsorgen und hilft gegen Migräne!) und erklärt mit ausnehmender Liebenswürdigkeit die berüchtigten Traktate pseudowissenschaftlicher Misogynie eines  Nietzsche, Weininger oder Möbius: hier, wie bei den komplementären Texten über die menschliche Natur aus der Feder einiger moderner lesbischer Autoren, pfeife halt jemand aus Angst und Einsamkeit lauthals im dunklen Wald. Warum gibt es Frauen, die aus dem Schutz der Frauenhäuser freiwillig zur Hölle ihrer prügelnden Ehemänner zurückkehren? Weil die „Gespräche mit einer lieben Sozialarbeiterin einem auf Dauer eine chaotische Beziehung mit sinnstiftendem Charakter nicht ersetzen.“ Der Mensch ist ein kompliziertes Wesen.

Das Ursprungsproblem der modernen Frauenbewegung entdeckt sie in der Begabung der männlichen Revolutionäre von ’68, durch viel theoretische Literatur ihrem Triebleben die „intellektuelle Weihe“ zu geben und darin „jede Menge Argumentationshilfen für die Beeinflussung weiblicher Kommilitonen“ fanden: „Wer sich für Politik interessierte, war besonders in Gefahr, sein Mißtrauen vorschnell aufzugeben und immer wieder enttäuscht zu werden.“ Rutschky unterschlägt den offensichtlichen Erfolg der Frauenbewegung zumindest in diesem Punkt: Heute reicht die feministische und anthropologische Allgemeinbildung normalerweise wieder aus, um noch so ausgefeilten theoretischen Konstrukten zum Beweis der Konklusion, daß die Zuhörerin zum Theoretiker ins Bett müsse, die Chancen zu stehlen. ULRICH KÜHNE

Katharina Rutschky: „Emma und ihre Schwestern“. Ausflüge in den real existierenden Feminismus. Carl Hanser Verlag, München 1999, 159 S., geb., 29,80 DM. [http://www.amazon.de/dp/3446187669/]
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September 07 2014

Archimedes
18:55
9/11 in Literature and the Movies.

Peter Van Greenaway: The Medusa Touch.
Victor Gollancz Publishers 1973.
(http://www.amazon.com/dp/B000UV4QPE/)


Jack Gold (Director): The Medusa Touch (La Grande Menace),
F/UK 1978. Starring Lino Ventura and Richard Burton.
Distributed by Warner Bros. Pictures.

August 28 2014

Archimedes
17:08
Philosophie studiert man wegen des praktischen Nutzens für die Karriere oder einfach, um die Tricks zu erlernen, seine Gegner argumentativ fertig zu machen. Der große Schopenhauer hatte es in seinem Büchlein „Eristische Dialektik oder Die Kunst, Recht zu behalten, in 38 Kunstgriffen dargestellt“ vorgemacht. Eine aktualisierte Version hat jetzt Jens Soentgen vorgelegt, liebreizend illustriert von Nadia Budde (Selbstdenken! 20 Praktiken der Philosophie. Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2003. 223 Seiten, 19,90 Euro). Hier findet der Leser die seriösen Erkenntnismethoden der Philosophen erklärt wie Logik und Gedankenexperiment, und ihre Schrullen, blindwütiges Sammeln, Kombinieren und Orakeln. Aber auch die „harten Praktiken“: Parodie, Demontage oder „Wabu-wabu“, das entstellende Zitieren und böswillige Zusammenfassen gegnerischer Argumente. Die Beispiele hat Soentgen der Philosophiegeschichte entnommen und den aktuellen Feuilletons. Dank Soentgen (und Aristoteles) kann der Leser die Frage „Warum ist die Banane krumm?“ gleich vierfach beantworten. Erst am Schluss wollen wir dem Autor nicht mehr folgen. Die Praxis heißt „Große Geste“ und beschreibt als Beispiel Sokrates’ Abschied mit dem Schierlingsbecher. ukü
(Süddeutsche Zeitung, 6. Oktober 2003, Literaturbeilage Seite 36 & 37)
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